Manfred Beilharz übergibt umfangreichen Theaternachlass an Stadtarchiv Wiesbaden

Manfred Beilharz übergibt umfangreichen Theaternachlass an Stadtarchiv Wiesbaden
Manfred Beilharz übergibt umfangreichen Theaternachlass an Stadtarchiv Wiesbaden | Bild: Stadt Wiesbaden

Der Theatermacher Manfred Beilharz hat seinen künstlerischen Nachlass der Landeshauptstadt Wiesbaden übergeben. Am 22. Januar unterschrieb der 87 Jahre alte Beilharz den Schenkungsvertrag im Kulturdezernat am Schillerplatz. Kulturdezernent und Stadtkämmerer Dr. Hendrik Schmehl nahm die Übergabe für das Stadtarchiv entgegen. Mehr als dreißig Kisten mit Programmheften, Fotos, Skizzen und Korrespondenz sollen künftig im Stadtarchiv verwahrt werden.

Vertrag und Hintergründe der Übergabe

Die Unterzeichnung erfolgte in Anwesenheit von Dr. Peter Quadflieg, Leiter des Stadtarchivs Wiesbaden. Dr. Schmehl dankte Beilharz dafür, dass dieser das Archiv als Aufbewahrungsort ausgewählt habe. Quadflieg betonte die Bedeutung des Materials für die Dokumentation regionaler und internationaler Theatergeschichte.

Eine Stationen reiche Karriere

Beilharz blickt auf mehr als fünfzig Jahre im Theaterbetrieb zurück. Nach Studien in Germanistik, Rechtswissenschaft und Theaterwissenschaft begann er als Regieassistent an den Kammerspielen in München. 1967 übernahm er Oberspielleitung und Dramaturgie am Westfälischen Landestheater in Castrop Rauxel. Mit 30 Jahren wurde er erstmals Intendant in Tübingen. Weitere Leitungsstationen waren Freiburg, Kassel und Bonn, wo er 1997 Generalintendant des vereinten Theaters der Bundesstadt Bonn wurde. 2002 wechselte Beilharz an das Hessische Staatstheater Wiesbaden, das er mehr als ein Jahrzehnt prägte.

Neben seiner Arbeit als Intendant war Beilharz mehrfach als Festivalleiter und Programmmacher aktiv. Er initiierte unter anderem die Reihe Neue Stücke aus Europa, das Theaterfestival Freiburg sowie Festivals in Kassel und zu Sowjetischem Theater nach Perestrojka und Glasnost. Internationales Engagement zeigte sich auch in seiner Tätigkeit im Internationalen Theaterinstitut der UNESCO, dessen Weltpräsident er von 2002 bis 2008 war. Für sein Wirken erhielt er mehrere Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande, die Goethe Plakette und den Hessischen Verdienstorden.

Inhalt und Bedeutung des Vorlasses

Beilharz bot dem Stadtarchiv Material aus allen Stationen seines Schaffens an, um eine möglichst geschlossene Künstlerbiografie zu ermöglichen. Der Nachlass umfasst Programmhefte, Fotos, Spielzeitprogramme, Inszenierungsskizzen, Briefe an Rechtsträger, sonstige Korrespondenzen und Presseauschnitte. Laut Quadflieg zeigt die Sammlung nicht nur die Intendanz in Wiesbaden, sondern dokumentiert auch zahlreiche Gastspiele und internationale Kooperationen.

Erste Kontakte zwischen Beilharz und dem Stadtarchiv hatten bereits 2019 stattgefunden. Das Archiv will das Material künftig für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich machen und so die künstlerischen Verbindungen Beilharzs zwischen regionaler Verankerung und internationaler Ausrichtung sichtbar halten.

Ein Schofar als Erinnerung und ein politischer Appell

Zur Unterzeichnung brachte Beilharz ein besonderes Objekt mit: ein Schofar, ein altes israelisches Blasinstrument aus Antilopen Horn. Das Instrument war ein Geschenk von Hanna Munitz, der damaligen Intendantin der New Israeli Opera in Tel Aviv, nach einer Einladung Beilharzs zur Inszenierung von Wozzeck. Beilharz erinnerte an die Wiesbadener Erstaufführung von Wozzeck 2003 und an die Realisierung der Produktion in Tel Aviv 2005, die dort großen Erfolg hatte.

Bei der kleinen Zeremonie im Kulturdezernat löste das Schofar heitere Momente aus, als Beilharz dem Instrument einen klangvollen Ton entlockte. Zugleich nutzte er die Gelegenheit zu einer nachdenklichen Einordnung: „In allen meinen Theatern habe ich versucht, meine Überzeugungen zur übernationalen Öffnung unterzubringen.“ Er fügte hinzu, dass sich die politischen Verhältnisse in Russland, in Europa und in Israel geändert hätten und dass es an der Zeit sei, einen Neuanfang zu wagen. Solche historischen Verbindungen lasse sich nun anhand der übernommenen Unterlagen im Stadtarchiv Wiesbaden erforschen.

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