
Die Landeshauptstadt Wiesbaden trauert um ihren Ehrenbürger und ehemaligen Oberbürgermeister Rudi Schmitt. Nach Angaben der Familie ist Schmitt am Freitag, dem 10. April, im Alter von 98 Jahren in seinem Haus friedlich entschlafen. Die Angehörigen baten um Ruhe und verzichten auf Medienanfragen. Die Beisetzung findet im engsten Kreis statt.
Stadt würdigt Verdienste
Oberbürgermeister Gert Uwe Mende bezeichnete Schmitt als „großen Baumeister des modernen Wiesbadens“. In Schmitts Amtszeiten als Stadtrat von 1960 bis 1968 und als Oberbürgermeister von 1968 bis 1980 seien zahlreiche Bauprojekte umgesetzt worden, darunter Schulen, Sporthallen und Bürgerhäuser. Mende hob zudem Schmitts Engagement in den Bereichen Stadtentwicklung, Förderung des öffentlichen Nahverkehrs, Ausbau des Kur und Kongresswesens, sozialer Wohnungsbau, Gewerbeansiedlung, Sicherung der Energieversorgung und Pflege städtepartnerschaftlicher Beziehungen hervor.
Der Oberbürgermeister erinnerte daran, dass Schmitt „bürgernah, beharrlich und mit großer Leidenschaft“ gehandelt habe und nannte ihn ein persönliches Vorbild. Bis zuletzt habe Schmitt Anteil am gesellschaftlichen Leben in Wiesbaden genommen. Gemeinsam mit Freunden und Wegbegleitern habe man am 8. Januar seinen 98. Geburtstag gefeiert, bei dem er geistig präsent gewesen sei, so Mende.
Auszeichnungen und Ehrenämter
Mit Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 18. Mai 1995 wurde Schmitt zum Ehrenbürger von Wiesbaden ernannt. Weitere Auszeichnungen waren die Ehrenplakette der Landeshauptstadt und das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Darüber hinaus engagierte er sich beim Roten Kreuz. Von 1967 bis 1988 führte er den Kreisverband Wiesbaden des Deutschen Roten Kreuzes. Im Anschluss war er von 1988 bis 2001 Präsident des Landesverbands Hessen des Deutschen Roten Kreuzes.
Politische und berufliche Stationen
Rudi Schmitt wurde am 8. Januar 1928 in Frankfurt am Main geboren. Nach dem Studium arbeitete er von 1946 bis zu seiner Wahl in den Hessischen Landtag 1954 als Lehrer in Frankfurt. 1947 trat er der SPD bei. Als Stadtrat in Wiesbaden war er von 1960 bis 1968 Schul und Sportdezernent und ab 1966 zusätzlich Kulturdezernent. Am 1. Februar 1968 wurde er zum Oberbürgermeister gewählt. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt war Schmitt bis 1987 für zwei Legislaturperioden über ein Direktmandat Mitglied des Deutschen Bundestags. Außerdem war er 1959 und 1984 Mitglied der Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten.
Trauer und Abschied in der Stadt
Die Familie bat darum, von Medienanfragen abzusehen. Eine städtische Gedenkveranstaltung ist mit Rücksicht auf die Angehörigen zu einem späteren Zeitpunkt geplant. Ab Dienstag, dem 14. April, 10 Uhr, liegt im Foyer des Rathauses am Schlossplatz 6 für eine Woche ein Kondolenzbuch aus. Die Fahnenmasten am Rathaus tragen an diesem Tag Trauerflor.
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